Chalet Blanc

Klassisch vornehmes Ambiente umgibt Dich, hier im Chalet Blanc. Um Dich herum gepolsterte, bläulich schimmernde Wände. Sie lassen keinen Laut nach außen dringen. Keinen Laut der Freude aber auch keinen Laut des Schmerzes. Sie sind diskrete Freunde. Umgeben und behüten Dich. Sie könnten so manche Geschichte erzählen, denn sie sind vollgesogen mit Emotionen. Vollgesogen mit Erlebtem. Doch sie schweigen. Schweigen wie ein Grab. Auch dem Deinem?

Die rollbare Streckbank dient Dir gehorsam als Stütze, wenn Du auf ihr fixiert, Deinen masochistischen Neigungen gehorchst und als Auffangtorso für die sich über Dich ergießenden Wachsströme dienst.
Im engen Edelstahlkäfig wirst Du geduldig darauf warten, bist Du gefesselt am Elektrokettenzug durch den gesamten Raum schwebst.
Ein riesiges Edelstahl-Fesselrad bringt Dich und Deine Gedanken in jegliche Position. In horizontaler Lage verschwindet Dein Oberkörper in einem durch und durch schwarzen Himmel. Ein sternloser Himmel aus Stoff. Dem Stoff, aus dem Deine Träume sind.
Der Edelstahlbock mit Lederauflage wartet darauf, Deinen geschundenen Körper zu tragen. Zu ertragen. Bereitwillig der Diener des Sklaven zu sein.
Hinter Dir ein mannshoher, gerahmter Spiegel. Er gibt Momentaufnahmen Deines Leidens und Deiner Freuden wider. Immer aufs neue. Immer wieder ein Abbild der Situation.
Vor Dir zwei schwere Barocksessel. Dazwischen ein großer offener Kamin.
Man meint, jeden Augenblick müsste die Lady des Hauses nach dem Hausdiener klingeln, um sich Tee nachschenken zu lassen.

Sanfte klassische Musik durchströmt Deinen Kopf, ohne dass ein einziger Ton erklingt. Die Musik ist in Dir. Schlägt Kapriolen. Zieht vorbei an Fantasien und Träumereien. Geigen, Cello, Bratsche im Einklang mit sich und der Welt hier unten. Einer eigenen Welt. Nur für Dich und Deine Wünsche entworfen. Geplant für Deine Sehnsüchte, deren Architekt Du selbst bist.

Doch ohne herausragenden Baumeister wird selbst aus den kühnsten Entwürfen eines herrlichen Schloßbaus nur eine wackelige, ungemütliche Hütte. Darum Geduld. Warte bis er eintrifft. Der Baumeister Deiner Fantasieentwürfe. Er wird Deine losen Skizzen zu einem ganzen Plan zusammensetzen. Er wird hier und da einige Veränderungen, ja Verbesserungen einbringen. Mit allseinem Wissen wird er ein Gebäude für Dich erschaffen, das Dich glücklich machen wird, wenn Du in ihm Deinen Platz findest. Glücklich für eine gewisse Zeit. Denn wie alle Schlösser, die aus Luft gebaut sind, werden sie zerplatzen. Und Du wirst wieder Deines Weges ziehen.

Draußen, in der anderen, realen Welt. Draußen, wo keine Wände Dich schützen. Wo keine Musik Dich umgarnt. Und Du wirst es zu schätzen wissen, jederzeit zurück kehren zu können, um gemeinsam mit Deinem Baumeister ein neues, vielleicht noch größeres, noch prunkvolleres Schloss zu bauen. Du bist willkommen - bei Deiner Herrin...