Das Internat

Rrrrrring. Das schrille, quengelige Kreischen der Schulglocke bohrt sich in die Ohren der munter herumtollenden Schul“kinder“. Punkt 10 zeigt die Uhr über der Tür an. Ende der kleinen Pause. Schnell zurück ins Klassenzimmer, Mütze und Jäckchen an die Haken gehängt und ab in die Schulbank.

Oh je, wie es hier wieder aussieht. Lange, trübe Neonleuchten werfen ihre strafenden Blicke auf den Unterrichtsraum, der eigentlich vor Sauberkeit und Ordnung blitzen sollte. Doch überall am Boden verstreut liegen Schulranzen. Schulhefte und Schiefertafeln. Stifte und Griffel. Lineale und Schwämmchen. Sonst perfekt geordnet auf den Schulbänken liegend haben sie ihren Weg auf die Sitze der Bänke oder gar dem Boden gefunden. Schnell alles aufgelesen, bevor die strenge Frau Lehrerin wieder zum Rohrstock greift. Zuerst zischt dieser immer auf das Lehrerpult herab, das sich in der Zwischenzeit schon an die Hiebe gewöhnt und sich eine dementsprechend dicke Haut zugelegt hat. Dann ist äußerste Vorsicht geboten und man kpönnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es dann im Klassenzimmer. Denn steht der unartige Zögling erst einmal mit heruntergelassenen Hosen über die Schulbank gebeugt vor der Lehrerin, so tanzt der Stock einen Freudentanz auf dem blanken Hintern und hinterlässt lange rote Striemen, die mit der Zeit alle Farben eines Regenbogens annehmen, bevor sie sich wieder unsichtbar machen.

Verschwunden sind sie natürlich nicht. Sie haben sich nur versteckt. Im Kopf eines jeden Schülers, der den Tanz des Stockes noch selbst miterlebt hat. Und in Gedanken tanzt er weiter und weiter. Bis, ja bis man das einmal Erlebte wieder aufs Neue erleben möchte. Den Tanz des Rohrstockes auf dem blanken Po. Seines eigenen Pos oder dem einer kleinen frechen Rotzgöre, die mit hochgezogenem Röckchen und mit bis auf die Knie heruntergelassenem weißen Höschen über einer der neun alten Schulbänke liegt und schon mal vorsichtshalber zu wimmern beginnt. Nicht ahnend, dass dies den Tanzlehrer nur noch mehr anstachelt, im Takt der Lust den Taktstock zu schwingen.

Wer hat den wieder diese Sauereien an die Tafel gekritzelt. Los. Sofort melden oder es gibt Klassenarrest. Ahh, Du warst der Schmierfink. Damit Deine frechen Griffel sich das nächste Mal überlegen, für was eine Schultafel da ist, gibt’s 20 Tatzen. Und zwar auf die Oberseite der Hand. Und jetzt Marsch in die Ecke. Gesicht zur Wand. Ein Mucks und Dein Hosenboden glüht...