The Attic

Blip... blip... blip. Irgendwo dort im Dunkeln tropft es. Blip. Schattenhände greifen nach Dir bei jedem Deiner Schritte. Was suchst Du hier „oben“ in diesem alten Speicher, aus dem die Zeit schon vor langem ausgezogen ist? Suchst Du nur ein Abenteuer, eine kleine Ablenkung von Deinem ganz persönlichen Alltag? Oder bist Du auf der Suche nach Deinen Fantasien, die hier – da bist Du Dir ganz sicher – irgendwo versteckt sein müssen. Genauso versteckt, wie Du sie in Deinem Alltag versteckt hältst. Blip.

Der Lichtkegel Deiner Taschenlampe streift umher. Unruhig. Lauernd. Trifft sich hier und da mit interessanten Dingen, grüßt kurz und huscht weiter. Neuem entgegen. Unbekanntem hinterher. Ein riesiger, mit Spinnweben bekleideter barocker Schrank lehnt an der Wand. Wie ein betagter Herr, der viel gesehen und erlebt hat. Blip.

Ein antiker Kinderwagen schaukelt seine Erinnerungen. Ganz sanft, damit sie nicht erwachen, davon laufen und ihn allein zurücklassen. Ein Spiegel, über zwei Meter groß, baut sich plötzlich vor Dir auf. Spiegelt die Szenerie in verwischten, verstaubten Farben wider. Erzählt Geschichten, die gerade passieren, ob Du sie hören willst oder nicht. Blip.

Die Flammen zweier Kerzen züngeln Dir gierig entgegen. Lecken lüstern am Docht. Versprechen Dir alles, was Du willst. Du musst nur die Finger ausstrecken und sie berühren. Autsch. Sie tanzen und lachen und freuen sich über das gierige Opfer, das wieder einmal auf sie hereingefallen ist.

Truhen voller „Spielzeug“, Koffer, uralte Skier, kreuz und quer und auf keine Ordnung achtend stehen oder liegen sie herum. Ein alter Beichtstuhl. Wie der wohl hierher gekommen ist? Und zu welchen Zweck? In einer Ecke lauert ein hungriger Strafbock auf sein nächstes Opfer.

Der alte, stets übellaunige Bohlenboden knarzt missmutig und beschwert sich über jeden Deiner Schritte. Denn er ist lieber allein. Mit sich und seinen schwermütigen Gedanken. Blip.

Durch das kleine Dachlukenfenster grinst blaugelb schimmernd der Mond auf eine Pritsche herab, die es sich unter einem Fenster mit verstaubten Scheiben gemütlich macht. Hat er nicht gerade mit dem Auge gezwinkert. Pssst… Mond, alter Kamerad. Nichts wird verraten. Egal was hier auch passieren mag. Nichts. Hörst Du.

Balken. Wie starke Arme tragen sie geduldig das Dach. Nur von Zeit zu Zeit ächzen sie leise, wenn sich der Wind bei einem seiner Besuche wieder einmal lustig über sie macht, weil sie nicht so frei umhertollen können wie er. Balken mit Ringen. Mit vielen Ringen bestückt. Und Seile. Viele Seile überall. Wofür sind sie gut? Wer könnte hier gefesselt werden. Du? Nein dafür braucht man keine Seile. Du bist bereits gefesselt. Gefesselt von der Atmosphäre des Attic. Diesem heimlichen, unheimlichen Versteck für Dich und Deine Fantasien. Blip.